Denkanstoß: Autorenlesung

Nachricht 17. April 2026

Alexander Krützfeldt zu Gast in Blender

Silke Wolters

Der Verdener Journalist präsentierte am Freitag, den 10. April sein neues Buch „Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt“ mit Geschichten der vergangenen zehn Jahre über das Leben, das Scheitern und das Weitermachen. Es ist eine sehr persönliche Sicht auf dieses Thema, denn es sind seine Erlebnisse, seine Lebensbrüche, die der 40-Jährige hier notiert hat. Ehe gescheitert, der Traum vom Hausbau zerplatzt und als Zweifach-Vater im logistisch wie emotional herausfordernden Wechselmodell erziehend - Alexander Krützfeldt hat sein Scheitern und sein Wiederaufstehen in schonungslos ehrliche und selbst-kritische Texte gegossen und sie gespickt mit feiner Ironie.

Alexander Krützfeldt las verschiedene Auszüge aus seinem Buch, zunächst ging es um eine Kohltour in Eitze, die für ihn zur Nostalgiereise wird. Sein Aufwachsen dort, die erste Liebe, die Trennung der Eltern. „Vielleicht ist das der Sinn von Kohltouren: dass alles noch mal hochkommt. Der Schnaps und das Leben.“ Weiterhin das Schlichten eines Streits zwischen seinen beiden Söhnen, der zur Gerichtsverhandlung und zum Sinnieren über die Frage von Fairness und Gleichbehandlung gerät. In gewisser Weise wandelt er damit auf den Spuren seiner Mutter, einer Richterin, die er in seinem eigenen jungen Leben oft begleitete und die ihre Urteile neben seinem Kinderzimmer diktierte. Und er schildert, was das wochenweise Papa-Sein, die vielen verpassten Meilensteine im Leben seiner mittlerweile sechs und neun Jahre alten Jungs mit ihm machen. „Im ständigen Abschied erkenne ich, wie schön es ist, Kinder zu haben.“

Seine Texte zeigten Wirkung beim Publikum, machten nachdenklich, fröhlich, traurig, sentimental. Und darum schreibe er auch, „der Wirkung wegen“. Schon als Jugendlicher habe er das Schreiben für sich entdeckt, bei einem Praktikum bei den Verdener Nachrichten. Seine erste Geschichte war die über eine 25 Jahre alte Katze. Vom Lokal-journalismus ging es weiter zur überregionalen Presse, zu Reportagen und Kolumnen, unter anderem für die FAZ und die Zeit. Nicht alle mögen seine zum Teil preisgekrönten Texte. Die Frau mit der 25 Jahre alten Katze sei damals noch persönlich in der Redaktion erschienen, um zu fragen, ob der Autor beim Schreiben bekifft war. Heute gebe es das Feedback der Leser digital. „Manchmal ist mein E-Mail-Postfach voll mit liebenswerten Beschimpfungen“, erzählt der 40-Jährige. Kommentare wie, er sei ein Jammerlappen und solle sich zusammenreißen, habe wohl nicht gedient, sein Leben nicht im Griff oder schreibe publizistisch irrelevantes Zeug, nehme er mit Humor und sehe gar Potenzial für ein neues Format darin.

Text: Claudia Schlüter-Ehrecke