Schutzkonzept

Konzeption zum Schutz vor sexueller, sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt

Gewaltschutzkonzept der Kirchengemeinden Blender | Intschede | Oiste

Christian Walter

Eine Arbeitsgruppe aus den drei „BIO“-Gemeinden - Blender, Intschede und Oiste - hat ein Konzept zum Schutz vor sexueller, sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt entwickelt. Es wurde inzwischen von der Superintendentur Verden bestätigt. Über die Ziele und Maßnahmen hat die Arbeitsgruppe nun informiert. „Der Sinn des Schutzkonzepts ist in erster Linie Prävention“, erklärt BIO-Pastor Georg Ziegler, auch vor dem Hintergrund sexueller Missbrauchsfälle in der Kirche. „Dadurch ist das Ganze in Gang gekommen, damit gar nicht erst etwas geschehen kann.“

Doch dabei sollte es bei BIO nicht bleiben. „Aufhänger ist der Missbrauchsschutz für Kinder“, sagt Heike Rosenhagen aus dem Blender Kirchenvorstand, die an der Konzepterarbeitung maßgeblich mitgewirkt hat. „Wir haben uns verständigt, dass wir das weiter fassen möchten. Neben Kindern und Jugendlichen soll es auch um andere schutzbedürftige Personen wie ältere oder behinderte Menschen gehen. Und wir wollen eben auch auf physische und psychische Gewalt, also beispielsweise auch verbale Angriffe, schauen.“ Damit geht BIO über das hinaus, was vom Kirchenkreis Verden und der Landeskirche Hannover eingefordert wurde.

„Schon Ende 2023, noch in der Vakanzzeit auf der Pastorenstelle, haben wir angefangen“, erinnert sich Kerstin Lask aus dem Blender Kirchenvorstand. Dieser wurde, wie die anderen Vorstände, zwischendurch neu gewählt, Georg Ziegler kam als Pastor dazu. „Die Gegebenheiten haben sich verändert. Das hieß, dass wir uns immer wieder damit beschäftigen mussten. Und genau das ist ganz wichtig“, so Lask. Vor allem damit zentrale Werte kontinuierlich und selbstverständlich gelebt werden. „Wir wünschen uns, dass das eine Grundhaltung in unserer Arbeit wird“, sagt Rosenhagen.

Die Erstellung des Konzeptes, das auch eine Risikoanalyse sowie einen Verhaltenskodex beinhaltet, bezeichnen die Beteiligten als „intensiven Prozess“, bei dem die Akteure „strukturiert durch unsere Angebote gegangen“ seien, um potenzielle Schwachstellen und Verbesserungspotenzial zu identifizieren. Und: „Wir wollen und müssen auch uns selbst schützen, damit wir Handlungsfreiheit in unserer Arbeit haben“, so Rosenhagen.

Fester Bestandteil ist die verpflichtende Teilnahme an Präventionsschulungen des Kirchenkreises Verden für alle in leitenden Positionen Tätigen, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich. Konzeptziele sind neben dem Vereiteln von Tatgelegenheiten eine verbindliche, klare Haltung gegen jede Gewaltform, konsequentes Vorgehen schon bei Verdacht auf einen Übergriff, Sensibilisierung, regelmäßiger Austausch sowie das Schaffen von Sicherheit für Engagierte durch ein gemeinsames Grundverständnis.

Besonders sensible Bereiche können etwa Kindergottesdienste sein, Konfirmandenarbeit und -freizeiten, der digitale Raum oder auch jegliche Eins-zu-eins-Situation. Einen Vorteil bietet hier das erst 2018 errichtete Gemeindehaus in Blender. „Es ist hell, transparent und gut einsehbar, auch von außen. Da wurde Gewaltschutz vorausschauend mitgeplant“, erklärt Rosenhagen. Gespräche zwischen Einzelpersonen sollen dort laut Konzept grundsätzlich möglichst im Gemeinschaftsraum stattfinden.

Die BIO-Gemeinden haben mit Birgit Dierks aus Einste eine Ansprechperson benannt, an die sich Betroffene wenden können. Sie ist in der Gemeinde Blender hervorragend vernetzt und dürfte vielen bekannt sein. „Sie ist neutral und unabhängig. Weil sie keine aktive Funktion in den BIO-Gemeinden innehat, bringt sie Abstand mit“, so Rosenhagen. „Gleichzeitig ist sie bekannt, nahbar und präsent.“ Wer Birgit Dierks ansprechen möchte, erreicht sie unter Telefon 04233/942292 oder 0174/1711133, wahlweise per E-Mail an lellapella@web.de.

Welche Folgen Fehlverhalten haben kann, ist „schwierig zu bemessen“, sagt Dierks, eben weil das BIO-Konzept sehr weit gefasst ist. Denkbare Maßnahmen würden im Einzelfall geprüft und mit der Superintendentur abgestimmt. Straftaten werden zur Anzeige gebracht. Grundsätzlich richtet sich BIO in Fällen von sexueller oder sexualisierter Gewalt nach dem landeskirchlichen Interventionsplan. „Da gibt es aber kein Schema F“, so Dierks.

Wer sich genauer über das Konzept informieren möchte, findet es als PDF online unter www.kirche-blender.de/Schutzkonzept. In den kirchlichen Schaukästen hängen Plakate mit QR-Codes, die direkt auf das Konzept verlinken, sowie mit Informationen zu externen Hilfsangeboten und Beratungsstellen. Das Schutzkonzept wird zudem noch im Gemeindespiegel, in den sozialen Medien und gegebenenfalls auch in Gottesdiensten thematisiert.

Text & Foto: Christian Walter

Ansprechperson "Gewaltschutz"

Birgit Dierks
Einster Hauptstraße 13 A
27337 Blender
Telefon 04233 942292
mobil 0174 1711133
E-Mail: lellapella@web.de